Vereinigung der Fußballer

Neuer Trainer, neue Chance

Der Einstand als neuer ÖFB-Teamchef ist Franco Foda gelungen. Nach dem Trainingslager in Andalusien startete er mit einem Sieg über Uruguay in eine neue Ära.

Der ÖFB befindet sich im Umbruch. Auf Willi Ruttensteiner folgte Peter Schöttel als Sportdirektor, Franco Foda übernahm die Agenden als Teamchef vom scheidenden Marcel Koller. In dem laufenden Prozess war die Außendarstellung des Verbandes nicht immer optimal, um eine freundliche Umschreibung zu wählen. Doch das gaben die handelnden Personen im Verband ohnehin längst selbst zu. Schon beim Hinflug ins Trainingslager nach Puerto Banus bei Marbella meinte ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold schmunzelnd: „Gut, dass es jetzt endlich los geht und wir das hinter uns lassen können.“

Danach folgten kaum noch Turbulenzen, sieht man von jenen beim Hinflug ab, als das Flugzeug über der iberischen Halbinsel eine halbe Stunde lang kräftig durchgeschüttelt wurde. Danach kamen Franco Foda und seine Schützlinge wieder in ruhigeres Fahrwasser. Das Trainingslager stand irgendwie im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens. Der KURIER schrieb von einem „Speed-Dating“, weil Foda seine Ideen, Regeln und Philosophien in nur einer Woche vermitteln musste.

Erste Annäherung

Das Verhältnis zwischen ihm und dem Team passt jedenfalls, geht man nach den Aussagen des neuen Chefs. „Die Mannschaft wirkt auch schon gelöster als noch zu Beginn. Am Anfang ist immer klar, es kommt ein neuer Trainer, man hört viel von außen, aber das sind meistens auch nur Halbwahrheiten. Ich glaube, dass sich die Spieler jetzt selbst einen Überblick verschafft haben, wie der Trainer funktioniert.“

Der Coach verordnete seinen Schützlingen in den spanischen Tagen ein straffes Programm. Neben den Trainings- und Mannschaftsbesprechungen führte Foda ausführliche Einzelgespräche. „Da ging es nicht nur um fußballspezifische Dinge, sondern ich wollte auch ein bisschen Privates über die Spieler erfahren“, sagte Foda. Dabei habe sich das positive Bild, dass er von den ÖFB-Internationalen hatte, „im Prinzip“ bestätigt. „Ich hatte einen guten Eindruck. Alle sind sehr bodenständig, und was das Wichtigste ist: Sie sind gerne bei der Nationalmannschaft.“

Auch ÖFB-intern musste sich die Führungsspitze zunächst beschnuppern und im Anschluss für gut befinden. Peter Schöttel wirkte zufrieden: „Die Zusammenarbeit ist unproblematisch. Wir haben uns in Spanien täglich ausgetauscht und als ich wieder in Wien war, täglich telefoniert. Mit Franco ist es für mich sehr einfach, weil wir Fußball ziemlich gleich sehen. So wie er denkt, wie er seine Mannschaften spielen lassen will, wie er trainiert, wie er in seiner Ansprache ist, denke ich, dass wir uns sehr ähnlich sind und dass es gut funktionieren wird.“ Das Fundament ist somit gelegt.

Intensiv & hart

Die intensiven Trainingseinheiten unter Spaniens ständig scheinender Sonne bei rund 20 Grad überraschten sogar einige Teamkicker. Auch neue Aspekte konnten sie in den Übungen finden, wie Guido Burgstaller bestätigte. „Es sind einige Kleinigkeiten bei den Inhalten anders als unter Koller.“ Definitiv anders war dann die Abendgestaltung, weil die müden Kicker viel früher ins Bett fielen als unter dem Schweizer. Die medizinische Abteilung wusste es zu danken, hatte sie daher früher Feierabend und Zeit für ein abschließendes Bier.

Marko Arnautovic zeigte sich vom neuen Übungsleiter angetan. In den Einheiten sei „richtig Feuer drin“, so der West-Ham-Legionär. „Ich weiß nicht, ob das wegen dem neuen Trainer ist, aber ich hoffe, es bleibt so.“ Foda bezeichnete der ÖFB-Internationale als sehr ehrgeizig, was auch auf dessen Vorgänger Marcel Koller zutraf. „Es gibt nicht viel Unterschied zu Koller. Der eine redet hochdeutsch, der andere schweizerdeutsch – und wir verstehen beides.“

Foda vermittelte den Spielern seine Ideen klar und verständlich, beim Debüt gegen Uruguay im Happelstadion wurden diese dann aber nur zum Teil umgesetzt. Trotz des 2:1-Sieges, der die Premiere für den 51-jährigen Deutschen dem Ergebnis nach perfekt machte. „Es gab viele positive Ansätze, aber natürlich auch noch viele Dinge zu verbessern. Man darf aber nicht vergessen, dass wir gegen Uruguay gespielt haben, das ist eine absolute Topmannschaft. Für das, dass wir erst acht Tage zusammengearbeitet haben, bin ich zufrieden.“

Volle Kraft voraus

Zu 100 Prozent wird er den Posten des Teamchefs dann ab 1. Jänner 2018 bekleiden, wenn er nicht mehr Coach von Sturm Graz ist. Foda wünscht sich, dass er die Grazer als Tabellenführer verlässt und übergibt. Sein letztes Spiel als Klubtrainer absolviert er genau dort, wo er künftig als Teamchef seine Heimspiele austragen wird: im Happel-Stadion, wenn Sturm Graz am 17. Dezember bei der Wiener Austria antritt. „Mir ist es sehr wichtig, dass ich mit Sturm noch auf Platz 1 bleibe“, so der ehrgeizige Foda.

Bis zum Ernstfall bleibt dem Neuen noch viel Zeit, die neue Nations League der UEFA wird erst im September 2018 angepfiffen. Foda möchte ab Jänner vor allem jene Spieler besuchen, die jetzt in Spanien nicht mit von der Partie waren. Wie einen Alaba, Hinteregger, Prödl, Ilsanker, vielleicht auch noch einen Janko.

Gegen Uruguay veränderte Foda nicht viel in Sachen Taktik, ließ wie auch Koller mit einer Vierer-Abwehr spielen. Dennoch kündigte er schon in Spanien an, künftig auch auf eine Dreier-Abwehr zu setzen, um variabel zu bleiben. „Das hängt immer auch vom Gegner ab.“ Das Potenzial ist im Kader jedenfalls vorhanden, es rücken gute und junge Spieler nach in die Lücken, die die Rücktritte von Harnik oder Junuzovic gerissen haben. Foda ist von der Qualität seiner Schützlinge überzeugt. „Ich denke schon, dass wir in den nächsten Jahren erfolgreich arbeiten werden.“ Ob Erfolg auch gleichbedeutend ist mit einer Qualifikation für die EM 2020, bleibt abzuwarten. „Man wird immer an den Ergebnissen gemessen. Letzten Endes will man sich ja für ein Turnier qualifizieren.“

Umgekehrt war die Nicht-Qualifikation für die WM 2018 in Russland auch der Grund, warum Kollers Vertrag nicht mehr in die Verlängerung ging. Und weshalb die Unruhe im ÖFB begann. Es ist höchst an der Zeit, dass knapp vor Weihnachten wieder Ruhe einkehrt im Verband.