Karriere

Der Trainerberuf ist wunderschön und grausam zugleich

Robert Ibertsberger trainiert die arbeitslosen Kicker, die sich im VdF-Camp fit für ihren nächsten Job halten. Der Ex-Internationale spricht über die Enttäuschung nach der Trennung von St. Pölten und die Eigenheiten des Trainergeschäfts.

Du trainierst die aktuell arbeitslosen Kicker. Welche Bedeutung hat für dich persönlich dieses Camp der VdF?

Ibertsberger: Ich habe es in den letzten Jahren natürlich wahrgenommen, habe es als sehr gut und hilfreich empfunden.Es ist mittlerweile eine wichtige Institution geworden. Für mich war es selbstverständlich, den Trainerjob zu übernehmen, als die Anfrage gekommen ist.

Ist dieses Camp auch für einen Trainer wichtig, um sich auf dieser Plattform präsentieren zu können?

Das kann schon sein, aber daran habe ich im ersten Moment gar nicht gedacht. Ob es dann für mich als Trainer profitabel sein kann, das wird man sehen. Wichtig ist, die Spieler auf einem hohen Niveau zu halten, dass sie jederzeit bereit sind, wenn ein Verein anfragt.

Wirst du das Training genauso steuern wie bei einem Klub?

Ja, der Zugang ist schon derselbe. Der einzige wirkliche Unterschied ist, dass man nicht gleich weiß, wie viele Spieler teilnehmen werden, wie groß die Gruppe ist, welche Art des Trainings ist daher möglich.

Wie beschreibst du den Trainerberuf, du hast ja einige Facetten schon erlebt.

Ja, er ist wunderschön und grausam zugleich. Aber wenn man Trainer ist, dann weiß man mittlerweile, was auf einen zukommt. Im Fußball geht es um den Erfolg, und wenn man als Trainer Misserfolg hat, dann gerät man schnell unter Druck und wird hinterfragt. Das ist eben so. Ich sehe mich dennoch erst am Anfang meiner Trainerkarriere und habe nach den Trennungen von Austria Wien und St. Pölten einiges an Erfahrung mitgenommen.

Was konkret? Was würdest du künftig ändern?

Bei manchen Dingen würde ich früher gegensteuern. Oder auch Dinge, was die Führung betrifft, etwas anders gestalten.

Kann man als Trainer in längeren Zeitspannen denken?

Im Profibereich nicht. Man hört ja das Wort „Entwicklung“ in den Interviews immer weniger. Als Trainer einer Profimannschaft musste du die kurzfristige Entwicklung beherrschen, die sehr wohl möglich ist. Aber eine langfristige Entwicklung über Jahre ist schwer. Im Fußballgeschäft geht es schnell, in eine gute wie in eine schlechte Richtung. Aber dessen bin ich mir bewusst.

Ist das ein österreichisches Phänomen?

Nein, das ist international so. Wir bekommen es vielleicht eher mit, weil wir vermehrt den Blick auf die österreichische Liga haben. Diese Kurzlebigkeit ist ein Phänomen des internationalen Fußballs.

Wenn man als Trainer langfristig etwas aufbauen will, muss man wohl in den Nachwuchsbereich gehen.

Ja, das wird wohl so sein. Ich habe ja Jahre im Nachwuchsbereich gearbeitet. Und ab dem Zeitpunkt, wo ich in den Profibereich gekommen bin, habe ich natürlich den Unterschied bemerkt.

Was ist der stressigste Teil des Jobs?

Wichtig ist, dass man sich selbst einmal so wenig Stress wie möglich macht. Stressig war für mich, wenn man zu Beginn der Tätigkeit eine Mannschaft aufbaut und zusammenstellt. Da gibt es viele Telefonate wegen Spielern, da muss man Tätigkeiten übernehmen, die jetzt rein mit der Kernaufgabe nicht viel zu tun haben. Das erzeugt schon Stress. Und natürlich wird es automatisch stressig, wenn der Erfolg ausbleibt. Der Trainingsalltag selbst bedeutet keinen Stress, weil das macht man ja gerne, wenn man mit der Mannschaft auf dem Platz arbeitet.

Trainer wissen, wie das Geschäft läuft, sind aber dennoch das schwächste Glied in der Kette. Empfindet man das nicht auch als ungerecht?

In manchen Situationen sicherlich. Aber am Ende muss man das einfach akzeptieren.

Hast du in deiner Karriere schon bemerkt, dass man als Trainer zu einem Klub besser passt als zu einem anderen?

Ich persönlich nicht, weil ich mich bei all meinen Stationen sehr wohl gefühlt habe. Ich bin auch ein Typ, der sich relativ gut und schnell auf eine neue Situation einstellen kann. Aber sicherlich gibt es Trainertypen, die besser zu einem Klub passen als zum anderen. Das gibt es sehr wohl.

Du hast die Arbeit im Nachwuchs ebenso kennengelernt wie bei den Profis. Ist der Fußball ganz oben weiterhin dein Metier?

Für die nächsten Jahre auf alle Fälle, weil ich den Bereich kennen gelernt habe und er mir gefällt. Das ist mein Weg. Ob es irgendwann anders sein wird, das kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Wenn es so sein sollte, müsste ich dann für mich den Schlussstrich ziehen.

Du hattest Trennungen bei der Austria und in St. Pölten. Wie sehr geht dir das als Mensch nahe?

Bei der Austria war es schon so, dass ich vorab mitbekommen habe, dass es zu einer Trennung kommen könnte. Das war absehbar, ich habe damit irgendwo sogar gerechnet. In St. Pölten war es schmerzhafter, weil mir klar war, dass ich das Ruder noch herumreißen hätte können. Das hat mich mitgenommen, weil ich mich für das Ganze verantwortlich gefühlt habe. Man muss irgendwann für sich einen Schlussstrich ziehen. Das ist wichtig, um für Neues bereit sein zu können.

Wie verdaust du das, und wie lange benötigst du dafür?

Als Trainer habe ich meine Familie wenig gesehen, daher war die Zeit mit ihr dann extrem wichtig für. Da kann ich auch sehr gut reflektieren. Nach rund zwei bis drei Wochen war dann das Kapitel verarbeitet.

Wirst du im Herbst wieder bei einem Bundesliga-Klub auf der Bank sitzen?

Das werden wir sehen, derzeit schaut es eher nicht danach aus. Aber wie wir wissen, kann es im Fußball ja schnell gehen. Ich nütze derzeit die Zeit auch, um mich weiterzubilden. Im mentalen Bereich, aber auch im kommunikativen, medialen in Sachen Außendarstellung.

Interview: Gernot Baumgartner

 

Robert Ibertsberger
Geburtstag: 20. Jänner 1977
Geburtsort: Neumarkt am Wallersee

Stationen als Spieler:
Austria Salzburg (1996 – 1999), AC Venedig (2000 – 2003), Sturm Graz (2000 – 2001), FC Tirol (2001 – 2002), SC Untersiebenbrunn (2003 –2004)
Stationen als Trainer:
WAC, Co-Trainer (2017 – 2018), WAC, interim (2018), Austria, Co-Trainer (2018 – 2019), Austria, interim (2019), St. Pölten (2020 – 2021)
Erfolge: 8 Spiele fürs ÖFB-Nationalteam, 2x österreichischer Meister