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SPORTLER,VEREINIGT EUCH!

Die younion_Die Daseinsgewerkschaft ist das Dach der VdF und unterstützte zu Jahresbeginn erstmals einen Nicht-Fußballer. Der Skispringer Lukas Müller gewann einen Rechtsstreit gegen den ÖSV. Aktuell gibt es einen weiteren Fall im Eishockeysport. Gernot Baumgartner, der nicht nur VdF-Sekretär, sondern auch Vorsitzender der Fachgruppe Sport ist, über einen Fall mit Auswirkungen. Interview: Peter K. Wagner

Die aktuellen Ereignisse im Eishockeysport haben durchaus Parallelen zum Fall Lukas Müller. Der Schispringer erlitt eine Querschnittlähmung und war in einem Rechtsstreit gegen den ÖSV erfolgreich.

Wie sind die Auswirkungen des Falles Lukas Müller zu beurteilen?

Sehr differenziert! Einerseits hat der Fall in der Sportszene für Aufruhr gesorgt und sicherlich die Sinne der Vereine und Verbände geschärft. Andererseits wird nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter“ mitunter weitergewurschtelt wie davor.

Warum ist das so?

Der Sport gibt sich durch Verbandsrecht seine eigenen Gesetze. Viele Funktionäre sind dadurch in einer gewissen Blase gefangen und vergessen oft, dass es außerhalb ihres selbst verfassten und auferlegten Rechts auch eine allgemeine Rechtsprechung gibt. Diese steht natürlich über dem Verbandsrecht. Legislative, Exekutive und Judikative liegen zumeist in gleicher Hand, was leider noch sehr stark an das Mittelalter erinnert. In der Neuzeit sind wir lediglich im Fußball angelangt, wo durch Mitspracherecht der Spieler über die Spielervereinigung und den Kollektivvertrag einigermaßen Gleichgewicht herrscht.

Kann man in diesem System etwas ändern bzw. verbessern?

Es ist sicher möglich, aber allerdings nach der Devise des Xavier-Naidoo-Songs „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“. Der Schlüssel liegt sicherlich in einer unabhängigen Stimme der Sportler bzw. einer starken Sportlervereinigung. Diese muss eine Kontrollfunktion übernehmen, Missstände aufzeigen und den Dialog mit Vereinen und Verbänden suchen, um gewisse Zustände zu verbessern.

Zustände, das klingt nun aber hart.

Vielleicht, aber es trifft gewisse Begebenheiten ganz gut. Uns beschäftigt im Moment wieder ein tragischer Rechtsfall, vor dessen Auswirkungen wir im Gespräch mit Funktionären im Eishockey schon länger gewarnt haben. Und das hat damit zu tun, wie österreichische Eishockeyspieler beschäftigt sind.

Kannst du uns Genaueres darüber erzählen?

Im österreichischen Eishockeysport ist das – wie wir es nennen – „System AMS“ weit verbreitet. Spieler werden systematisch nur für die Spielezeit von etwa sieben Monaten übers Jahr vom Klub beschäftigt. Die andere Zeit werden sie zum Arbeitsmarktservice zum Stempeln geschickt. Die Spieler müssen sich aber in dieser AMS-Zeit trotzdem fit halten und trainieren, sonst bekommen sie keine „Anschlussverträge“. Genau diesem System ist nun ein junger Eishockeyspieler zum Opfer gefallen. Corin Konradsheim hatte genau in dieser angesprochenen AMS-Zeit am Heimweg vom Training einen schweren Autounfall. Die AUVA beruft sich darauf, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls nicht den Beruf des Eishockeyspielers ausgeübt hat und beim AMS gemeldet war. Somit zählt der Unfall als Freizeitunfall. Das heißt, Corin Konradsheim, der nach seinem Unfall bis heute nicht selbstständig gehen kann und große Sprech- und Gleichgewichtsprobleme hat, erhält keine Rente und Therapien sowie Heilbehelfe müssen aus der eigenen Tasche berappt werden.

Das könnte eine Sportlergewerkschaft verhindern?

Den Unfall natürlich nicht, aber die Folgen. Wären andere Sportler auch so gut abgesichert wie die Fußballer, die schon vor über 30 Jahren begonnen haben für ihre Rechte als Arbeitnehmer zu kämpfen, gäbe es keine Fälle wie die von Lukas Müller oder Corin Konradsheim. Anzumerken ist, dass es noch weitaus mehr Fälle gibt, die auf dieser Grauzone der Arbeitsverhältnisse im Sport beruhen. Alle hier an- und auszuführen, würde aber den Rahmen sprengen.

Was sollte nun konkret passieren?

Die Basis für eine Sportgewerkschaft wurde im April gelegt. Mit Unterstützung des younion-Vorsitzenden Christian Meidlinger, der immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Sportler hat, wurde die Fachgruppe Sport gegründet. Nun gilt es für uns, an zwei Fronten zu kämpfen. Einerseits an der (sport-)politischen Front. Die Grundlage für die Arbeit einer Sportgewerkschaft muss ein Berufssportgesetz sein, in dem die Trennlinie zwischen Hobby- und Berufssport klar gezogen werden muss. Aufgrund der politischen Situation liegt das Projekt momentan leider auf Eis. Es wird die erste und wichtigste Forderung an den oder die neuen/neue SportministerIn sein, einen neuen Anlauf für ein Berufssportge-setz zu starten. Die zweite Front sind die Sportler innen und Sport-ler selbst. Interessenvertretung sollte immer von den Betroffenen selbst ausgehen. Den Sportlern sollte bewusst werden, dass sie nur in der Gemeinschaft etwas bewirken und verbessern können. Diesen Mut vermissen wir noch ein wenig. Aber Fälle wie der von Corin Konradsheim und andere zeigen auf, wie wichtig eine gemeinsame Stimme für die Sportler wäre. Wir sind auf jeden Fall bereit und freuen uns auf diesen Weg.